Über Kospirit

Warum dieses Projekt?

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Mobile Arbeit, internationale Teams und zunehmende Vielfalt in Belegschaften bieten neue Chancen, stellen Unternehmen aber auch vor Herausforderungen. Besonders der soziale Zusammenhalt im Arbeitsalltag kann darunter leiden – etwa wenn Teams räumlich verteilt arbeiten oder neue Mitarbeitende schnell integriert werden müssen. Gleichzeitig ist gerade dieser Zusammenhalt ein wesentlicher Faktor für Motivation, Innovationsfähigkeit und die Fähigkeit von Teams, mit Veränderungen und Krisen umzugehen.

Hier setzt das Forschungsprojekt KoSpiRIT an. Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen, wie soziale Verbundenheit zwischen Beschäftigten entsteht und wie sie gezielt gestärkt werden kann. Dabei verbindet das Projekt wissenschaftliche Forschung mit praktischen Erfahrungen aus Unternehmen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Zusammenarbeit in entgrenzten Arbeitsformen wie hybrider oder standortübergreifender Teamarbeit mit den zugehörigen spezifischen Kommunikationswegen, Arten der Arbeitsorganisation und sozialen Beziehungen. Das Projekt untersucht, welche Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsgestaltung Verbundenheit zwischen Beschäftigten fördern können – und welche Maßnahmen Unternehmen durchführen können, um diese gezielt zu entwickeln und auszubauen.

Eine gelbe Spielfigur sitzt in einem hellen Büro an einem Schreibtisch und nimmt an einem Videomeeting mit sechs weiteren bunten Spielfiguren teil, die man als Kacheln auf dem Bildschirm sieht, zwei davon winken. Im Hintergrund blickt man durch deckenhohe Fenster auf Hochhäuser.

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung eines kostenfreien, digitalen Tools für Unternehmen. Dieses soll Organisationen dabei unterstützen, soziale Beziehungen in und zwischen Teams sichtbar zu machen, Herausforderungen in der Zusammenarbeit zu erkennen und passende Maßnahmen zur Stärkung von sozialer Verbundenheit auszuwählen. Das Projekt fokussiert hierbei zum einen Maßnahmen der Arbeitsgestaltung und zum anderen teambildende, kooperative Spiele. Mithilfe des Tools soll es möglich sein, Arbeitsgestaltungsmaßnahmen und kooperative Spiele auszuwählen, die auf dem vorab bestimmten Grad der Verbundenheit aufsetzen sowie die bereits bestehenden Maßnahmen sinnvoll ergänzen und so gezielt Komponenten arbeitsbezogener Verbundenheit fördern.

Das Tool wird im Projekt gemeinsam mit IT-Unternehmen entwickelt und in realen Arbeitskontexten getestet. So soll sichergestellt werden, dass die Ergebnisse nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch möglichst aufwandsarm praktisch anwendbar und in unterschiedlichen Unternehmenskontexten nutzbar sind.

KoSpiRIT wird von einem interdisziplinären Konsortium aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Transferpartnern umgesetzt. Beteiligt sind die Universitätsmedizin Rostock, die Sozialforschungsstelle der TU Dortmund, die Fachhochschule Dortmund, PAG – Perspektive Arbeit & Gesundheit gGmbH sowie die Praxispartner aus der IT-Branche rku.it und Clausohm GmbH. Gemeinsam arbeiten wir daran, neue Wege zu entwickeln, um Zusammenarbeit und soziale Verbundenheit in der Arbeitswelt nachhaltig zu stärken.

Wie gehen wir vor?

Der Arbeitsplan des Forschungsprojekts, der diverse Arbeitspakete zeigt. Diese sind in fünf Stufen, nämlich Mapping, Modellierung, Erprobung, Transfer und Verbreitung angeordnet. Den Hintergrund des Schaubildes bildet die schwarz-weiße und etwas unscharfe Ansicht verschiedener Spielmateralien wie Spielfiguren und Spielbretter.

Das Forschungsprojekt KoSpiRIT untersucht, wie soziale Verbundenheit zwischen Beschäftigten zur Resilienz von Individuen, Teams und Organisationen beitragen kann und wie sich diese Verbundenheit gezielt fördern lässt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass moderne Arbeitsformen – etwa Homeoffice, hybride Zusammenarbeit und Arbeit in kulturell vielfältigen Teams – zwar neue Möglichkeiten eröffnen, in ihnen gleichzeitig aber auch weniger intensive soziale Beziehungen im Arbeitsalltag entstehen. Da stabile soziale Beziehungen eine wichtige Grundlage für Zusammenarbeit, Innovation und Krisenbewältigung sind, will das Projekt dazu beitragen, ihre gezielte Förderung arbeitswissenschaftlich zu fundieren und praktisch umsetzbar zu gestalten.

Das Projekt verbindet mehrere wissenschaftliche Perspektiven: arbeits- und organisationspsychologische Forschung zu Resilienz und Teamprozessen, sozialwissenschaftliche Analysen von Sozialgefügen in Organisationen, arbeitssoziologische Einsichten zu menschengerechter Arbeitsgestaltung sowie spielwissenschaftliche Ansätze zur Wirkung kooperativer Spiele auf soziale Beziehungen. Gemeinsam bilden diese Ansätze die Grundlage für ein erweitertes Verständnis von sozialer Verbundenheit als Ressource für individuelles Wohlbefinden, funktionierende Teamarbeit und organisationales Lernen.

Methodisch folgt das Projekt einem mehrstufigen Forschungsdesign. In einer ersten Phase werden bestehende Formen der Zusammenarbeit und Verbundenheit in den beteiligten Unternehmen systematisch erfasst. Dazu werden unter anderem Dokumentenanalysen, standardisierte Befragungen sowie qualitative Interviews mit Beschäftigten eingesetzt. Ergänzend wird die Anwendbarkeit der sozialen Netzwerkanalyse geprüft, mit der sich Kommunikations- und Kooperationsstrukturen innerhalb von Teams sichtbar machen lassen. Ziel dieser Phase ist es, typische Muster sozialer Beziehungen sowie mögliche Problemfelder zu identifizieren.

Auf dieser Grundlage werden anschließend typische „Problemkonstellationen“ der Zusammenarbeit modelliert und mit möglichen Maßnahmen zur Förderung von Verbundenheit verknüpft. Dazu zählen sowohl arbeitsgestalterische Maßnahmen – etwa neue Formen der Kommunikation oder Zusammenarbeit – als auch kooperative Spiele, die gezielt soziale Interaktion, Vertrauen und gemeinsames Problemlösen fördern können.

In einer anschließenden Erprobungsphase werden diese Maßnahmen in Unternehmen praktisch getestet. Die Wirkung wird durch eine Kombination aus qualitativen Beobachtungen, Interviews und quantitativen Befragungen untersucht. Dabei wird insbesondere betrachtet, ob sich soziale Verbundenheit und resilienzrelevante Faktoren wie Kooperation, Problemlösefähigkeit oder Teamklima verbessern.

Die Ergebnisse des Projekts werden schließlich in ein praxisnahes digitales Tool überführt, mit dem Unternehmen den Stand sozialer Verbundenheit in ihren Teams einordnen und passende Maßnahmen zur Stärkung von Zusammenarbeit und Resilienz auswählen können, zu denen dann jeweils Hinweise zur Umsetzung und Praxistipps ausgegeben werden.

Welche Bedeutung hat soziale Verbundenheit?

Soziale Verbundenheit beschreibt das Gefühl und die Erfahrung, mit anderen Menschen in einer wertvollen, unterstützenden Beziehung zu stehen. Im Arbeitskontext bedeutet dies, dass Beschäftigte sich als Teil eines Teams erleben, sich gegenseitig vertrauen, gern miteinander kommunizieren und sich bei Herausforderungen unterstützen. Diese sozialen Beziehungen entwickeln sich nicht nur in formaler Zusammenarbeit, sondern auch in informellen Kontakten und gemeinsamen Erfahrungen. In der Forschung wird soziale Verbundenheit aus verschiedenen Gründen als wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Arbeitsumfelds und als ein Wirkfaktor resilienter Organisationen betrachtet.

Für das Individuum hat soziale Verbundenheit eine zentrale Bedeutung für Gesundheit und Wohlbefinden. Menschen, die sich in ihrem Arbeitsumfeld eingebunden fühlen, erleben ihre Tätigkeit häufiger als sinnvoll und unterstützend. Eine starke soziale Einbindung kann die persönliche Widerstandsfähigkeit stärken und Beschäftigten helfen, mit Stress oder Veränderungen besser umzugehen. Fehlende soziale Beziehungen hingegen können zu Einsamkeitserfahrungen führen, die sowohl psychische als auch körperliche Fehlbeanspruchung begünstigen und sich negativ auf Motivation und Leistungsfähigkeit auswirken.

Sechs bunte Spielfiguren sitzen in einem hellen Büro um einen Tisch herum und arbeiten gemeinsam an einem großen Bogen Papier, auf dem sie mithilfe von Post-its und handgeschriebenen Infokästen einen Prozess planen oder etwas entwerfen. Im Hintergrund ist ein Whiteboard mit Diagrammen und Haftnotizen zu sehen, dahinter deckenhohe Fenster mit Blick auf eine gut begrünte Stadt.

Auch auf Teamebene spielt soziale Verbundenheit eine wichtige Rolle. Teams, in denen Vertrauen, gegenseitige Unterstützung und offene Kommunikation vorhanden sind, können Probleme effektiver lösen und kreativer zusammenarbeiten. Wenn sich Teammitglieder miteinander verbunden fühlen, steigt die Bereitschaft, Wissen zu teilen, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und konstruktiv gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Umgekehrt kann ein Mangel an Verbundenheit zu Konflikten, geringerer Kooperation und einer schwächeren Teamleistung führen.

Schließlich hat soziale Verbundenheit auch eine wichtige Bedeutung für Organisationen als Ganzes. Unternehmen profitieren davon, wenn Beschäftigte sich mit ihrem Team und ihrem Arbeitsplatz identifizieren. Stabile soziale Beziehungen fördern Wissensaustausch, erleichtern Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg und stärken die Bindung von Mitarbeitenden an das Unternehmen. Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung, mobiler Arbeit und vielfältiger Belegschaften wird es daher immer wichtiger, Bedingungen zu schaffen, die soziale Beziehungen im Arbeitsalltag ermöglichen und fördern.

Vor diesem Hintergrund muss soziale Verbundenheit als ein zentraler Faktor für resiliente Teams und innovative Organisationen gelten, die auch unter dynamischen Arbeitsbedingungen handlungsfähig bleiben können.